Kommentar – Esport als Einstiegsdroge? Es nervt! – Gaming

Alle Jahre wieder müssen Esport und Gaming als Sündenbock für Allerlei herhalten. Dabei nervt das Gemotze einfach nur noch. Ein Kommentar von Hauke van Göns.

“Leistungskiller” und “Einstiegsdroge” – so nennt Kriminologe Christian Pfeiffer den Esport im einem Gespräch mit der dpa.

“Die bundesweit wachsende Leistungskrise der männlichen Jugendlichen und jungen Männer beruht in hohem Maß auf einem Anstieg der Intensität und täglichen Dauer ihres Computerspielens”, das ist sein Fazit.

Doch inzwischen sollten wir doch weiter sein. Das Klischee des fettleibigen Gamers in Mamas Keller ist doch inzwischen widerlegt – weil Gaming in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.

Feindbild Videospiele

Dabei hat Pfeiffer offensichtlich mit Videospielen seit Jahren ein auserkorenes Feindbild. PC Games nannte ihn 2015 “Deutschlands größten Gameskritiker” und auch die Killerspieldebatte wurde immer wieder durch seine Aussagen entfacht.

Als Basis für seine aktuelle Aussage nimmt er eine Studie, die die Jahre 2007 mit 2017 vergleicht. Inzwischen zocken männliche Jugendliche mehr und gleichzeitig gibt es sieben Prozent weniger Jungs an Gymnasien. Einen belegbaren Befund für einen Zusammenhang gibt es aber nicht.

Und so bleibt es einmal ein Vorstoß eines Spiele-Feindes, der inzwischen einfach nur nervt. Wir gucken nach Amerika, wo eine Spitzenpolitikerin wie Alexandria Ocasio-Cortez offen über ihre League-of-Legends-Leidenschaft redet.

“Nur altbacken”

Der Esport-Bund Deutschland in Person von Hans Jagnow konterte auf die Aussagen: “Wenn jemand etwas über zwanzig Jahre ohne Evidenz behauptet, dann macht es das Argument nicht richtiger, sondern nur altbacken.”

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Die Welt hat sich natürlich in den letzten Jahren stark verändert. Esport und Gaming sind inzwischen auch für Spieler Berufswege geworden – egal ob als Profi oder Content Creator.

Und das Argument, Esport sei der Einstieg in eine Spirale von Leistungsabfall, ist hanebüchen. Training ist für Leistungssport die Grundlage. Kein Esportler hat seine Karriere geschenkt bekommen und über zehn Stunden Training sind keine Seltenheit – auch im Amateurbereich. Dazu kommen neue Jobfelder, die es vor dem Esportboom noch nicht gab, wie Teammanager, Coaches oder der generelle Staff eines Teams.

Am Ende gucke ich auf meine Karriere und stelle fest: Meinen Job als Esportjournalist kann ich nur ausführen, weil Zocken und die Esport-Welt seit Jahren meine Leidenschaft sind. Vielleicht sollten die Kritiker auch mal einen Blick auf solche Geschichten werfen.

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Bildquelle: ESL / Carlton Beener


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